„Lines Vermächtnis“ stärkt die Rolle von Eltern bei der frühzeitigen Erkennung kritischer Veränderungen – für mehr Patientensicherheit bei Kindern und Jugendlichen.

Worum geht es in demProjekt?

Das Projekt zielt darauf ab, Eltern frühzeitig in die Erkennung kritischer Veränderungen bei ihren Kindern einzubinden, um Patientensicherheit bei Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Anlass für das Projekt war ein tragischer Vorfall. Während eines Krankenhausaufenthalts verschlechterte sich der Zustand der zweijährigen Line. Ihre Mutter hatte mehrfach auf Veränderungen hingewiesen. Line verstarb im Krankenhaus. Gemeinsam mit Lines Mutter entwickelte die DGPS den Projektvorschlag: Elternwarnsignal-Dialog, um elterliche Beobachtungen systematisch in klinische Entscheidungsprozesse zu integrieren.

Ziele von Lines Vermächtnis
  • Systematische Integration elterlicher Beobachtungen – als ergänzende Informationsquelle in der klinischen Entscheidungsfindung
  • Frühzeitige Erkennung kritischer Entwicklungen – zur Vermeidung von Komplikationen und Erhöhung der Patientensicherheit
  • Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachpersonal – durch strukturierte, vertrauensvolle Kommunikation
  • Förderung patientenzentrierter Versorgung – durch aktive Einbindung von Begleitpersonen in den Behandlungsprozess
  • “Adapt to Adopt“: Adaptierung internationaler Best-Practice-Modelle – Prüfung der Übertragbarkeit erfolgreicher Konzepte wie Martha’s Rule oder Ryan’s Rule auf das deutsche Gesundheitssystem
Wie wird das Projekt umgesetzt?

Das Projekt wird modular, praxisnah und partizipativ mit den Kliniken umgesetzt.

  • Auswahl geeigneter Pilotkliniken (z.B. Pädiatrie, Kinderchirurgie, Notaufnahme) Gemeinsame Entwicklung und Umsetzung projektspezifischer Module in enger Abstimmung mit den Kliniken
  • Einbindung betroffener Eltern als wertvolle Perspektive. Die Einbindung von Lines Mutter ist eine Stärke dieses Projektes
  • Begleitende Evaluation & Feedbackintegration zur kontinuierlichen Verbesserung und Wirksamkeitsmessung
  • Abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit zur Sichtbarmachung und nachhaltigen Verankerung des Projekts
Über Line

Die zweijährige Line war ein fröhliches Kind. Sie erkrankte im April 2024 und wurde von ihren Eltern ins Krankenhaus gebracht. Dort verschlechterte sich der Zustand des kleinen Mädchens. Ihre Mutter hatte mehrfach auf Veränderungen hingewiesen. Line verstarb im Krankenhaus. 

Dieser tragische Vorfall ist Anlass für das Projekt “Lines Vermächtnis” Gemeinsam mit Lines Mutter entwickelte die DGPS ein Konzept, den  Elternwarnsignal-Dialog, um elterliche Beobachtungen systematisch in klinische Entscheidungsprozesse zu integrieren.

Eltern kennen ihr Kind am besten. Lines Schicksal zeigt eindringlich, wie wichtig es ist, die Beobachtungen von Eltern ernst zu nehmen. Wenn sie den Eindruck haben, dass etwas nicht stimmt, kann das ein entscheidender Hinweis für die klinische Einschätzung sein. Ihre Stimme kann Leben retten.”

— Michelle Bayona, Mutter von Line und Schirmherrin von “Lines Vermächtnis”

Aktueller Stand

Als erste Kooperationspartner-Klinik hat die Kinderklinik im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf mit „Lines Vermächtnis“ im Februar 2026 die Erprobung gestartet. In den kommenden Monaten werden mit wissenschaftlicher Begleitung Abläufe und Schulungsbausteine getestet. Wir freuen uns auf die Praxiserfahrungen und laden weitere Kliniken ein, sich zu beteiligen.

Projektpartner
  • Michelle Bayona – Schirmherrschaft
  • DAK-Gesundheit
  • Kinderklinik UKE
Was internationale Studien und Erfahrungen zeigen

Internationale Studien und Versorgungsdaten zeigen übereinstimmend, dass Hinweise von Eltern wichtige zusätzliche Informationen für die klinische Einschätzung liefern können. Eine Auswahl:

Association between caregiver concern for clinical deterioration and critical illness in children presenting to hospital: a prospective cohort study (Mills et al., Lancet Child & Adolescent Health 2025)
Diese prospektive Kohortenstudie mit Daten von über 73.000 Kindern an einer Kinderklinik in Melbourne zeigt: Wenn Eltern oder Bezugspersonen eine Verschlechterung ihres Kindes befürchten, ist dies signifikant mit kritischen Erkrankungen assoziiert und liefert einen wichtigen zusätzlichen Hinweis für die klinische Einschätzung.

Parental Ability to Identify Severe Illnesses in Their Children (Pöyry et al., JAMA Network Open 2026)
Die Studie aus einer pädiatrischen Notaufnahme in Nordfinnland mit 2.375 Kindern und Jugendlichen zeigt: Wenn Eltern den Eindruck haben, dass mit ihrem Kind „etwas ernsthaft nicht stimmt“, ist dies signifikant mit schweren Erkrankungen assoziiert und stellt einen klinisch relevanten zusätzlichen Hinweis dar.

Evaluation of a patient and family activated escalation system: Ryan’s Rule (Dwyer et al., Australian Critical Care 2020)
Die australische Studie zum familienaktivierten Eskalationssystem „Ryan’s Rule“, in der 57 Aktivierungen durch Patient:innen oder Angehörige analysiert wurden, zeigt: Wenn Eltern eine klinische Neubewertung anfordern, führt dies in rund 14 Prozent der Fälle zu einer Verlegung auf ein höheres Versorgungsniveau.

 

Martha’s Rule – family-activated escalation system in the NHS (NHS England 2025)

Auswertungsdaten des britischen Gesundheitsdienstes zeigen: Zwischen September 2024 und Juni 2025 gingen 4.906 Anrufe über die Martha’s-Rule-Hotlines ein, mit denen Patient:innen oder Angehörige eine Eskalation der Versorgung anstießen. In 241 Fällen führte die ausgelöste klinische Neubewertung zu potenziell lebensrettenden Interventionen.

Weiterführende Informationen und Materialien

Projektvorschlag: Elternwarnsignal-Dialog
Die Projektskizze von DGPS und Michelle Bayona zur strukturierten Einbindung elterlicher Warnsignale in die klinische Einschätzung bildet die konzeptionelle Basis für “Lines Vermächtnis”.

DAK: Elterncoaching – gemeinsam für mehr Patientensicherheit
Dr. med. Viola Sinirlioglu (Patientensicherheitsbeauftragte der DAK) im Gespräch mit Hardy Müller (Generalsekretär der DGPS) über die Bedeutung elterlicher Warnsignale für die Patientensicherheit.

NDR: Mahnwache für Line – Eltern fordern mehr Patientensicherheit
Der Beitrag berichtet über eine Mahnwache anlässlich des ersten Todestags der kleinen Line in Hamburg und die Forderung nach strukturellen Verbesserungen für mehr Patientensicherheit.

VDEK: Tipps für Versicherte: Sichere Gesundheitsversorgung von Kindern
Ein Informationsblatt mit Hinweisen für Eltern zur Kommunikation mit dem Behandlungsteam und zum Umgang mit Unsicherheiten im Klinikalltag.

Kontaktdaten

Für Fragen zum Projekt, Kooperationsanfragen und Presseanfragen:
Hardy Müller – Generalsekretär, Deutsche Gesellschaft für Patientensicherheit (DGPS)
hardy.mueller@patientensicherheit.de 

Für Presseanfragen zusätzlich:
Michelle Bayona – Initiatorin von „Lines Vermächtnis“, Mutter von Line
info@fokus-behandlungsfehler.de, Tel. 0160-95698261

 

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