Eltern und Begleitpersonen kennen ein Kind am besten. Sie bemerken manchmal Verschlechterungen des Zustands, bevor diese für andere offensichtlich sind. Studien zeigen: Wenn Eltern oder Bezugspersonen sich ernsthaft Sorgen machen, kann das ein wichtiger zusätzlicher Hinweis sein.

Wenn Sie das Gefühl haben: Etwas stimmt nicht

Ein Krankenhausaufenthalt mit einem Kind ist für Eltern und Bezugspersonen oft belastend. Man sorgt sich, beobachtet jede Veränderung – und ist gleichzeitig unsicher, ob man das Personal noch einmal ansprechen darf oder „stört“.

Lines Vermächtnis ist aus einem tragischen Vorfall heraus entstanden. Das Projekt möchte Eltern und Begleitpersonen ermutigen und befähigen, ihre Beobachtungen frühzeitig auszusprechen, wenn sie den Eindruck haben, dass sich der Zustand ihres Kindes verändert.

Sie müssen dafür keine medizinische Erklärung haben. Ihre Beobachtung kann trotzdem wichtig sein. Elterliche Warnhinweise sollten gehört, ernst genommen und in die Einschätzung Ihres Kindes einbezogen werden.

Wann sollten Eltern Bescheid sagen?

Sprechen Sie das Klinikpersonal an, wenn Sie Veränderungen bemerken, zum Beispiel:

  • Ihr Kind wirkt deutlich kränker oder anders als sonst
  • Es ist schläfrig, kaum ansprechbar oder schwer zu wecken
  • Es atmet schneller, angestrengter oder scheint nicht gut Luft zu bekommen
  • Der Hautton ist verändert, zum Beispiel blass, bläulich, gelblich oder fleckig
  • Es trinkt wenig, es kommt wenig Urin bzw. die Windel bleibt trocken
  • Es zeigt starke Schmerzen, ungewöhnliches Schreien oder Wimmern
Unsere Safety Cardfür Eltern

Auf welche Symptome können Sie achten? Laden Sie sich hier unsere Safety Card für Eltern herunter – als praktischer Begleiter im Krankenhaus.

Wie kann ich meine Sorge ansprechen?

Trauen Sie sich, Ihre Sorge anzusprechen – auch wenn Sie unsicher sind oder nicht genau sagen können, was anders ist. Ihre Beobachtung kann für das Behandlungsteam wichtig sein.

Versuchen Sie, so konkret wie möglich zu beschreiben, was Sie wahrnehmen: Was hat sich verändert? Seit wann? Was macht Ihnen besonders Sorgen? Bitte bedenken Sie dabei auch, dass das Personal im Klinikalltag unter Druck stehen kann. Gerade deshalb hilft es, ruhig, klar und möglichst konkret zu schildern, was Sie beobachtet haben.

Mögliche Formulierungen:

  • „Ich mache mir Sorgen, weil mein Kind anders wirkt als sonst.“
  • „Ich kann es nicht genau erklären, aber ich habe das Gefühl, dass sich etwas verschlechtert.“
  • „Können Sie mein Kind bitte noch einmal anschauen?“
  • „Was soll ich tun, wenn sich der Zustand weiter verändert?“

Tipp: Wenn möglich, notieren Sie kurz, was Sie beobachtet haben und wann es begonnen hat. So können Sie dem Behandlungsteam den Verlauf besser schildern.

Was kann ich von der Klinik erwarten?

Wenn Sie Ihre Sorge ansprechen, sollte das Behandlungsteam nachfragen und Ihre Beobachtung in die Einschätzung Ihres Kindes einbeziehen. In Kliniken arbeiten Ärzt:innen und Pflege oft unter hohem Druck. Trotzdem gilt: Wenn Sie eine Veränderung bemerken oder ein ungutes Gefühl haben, kann Ihr Hinweis wichtig sein.

Nicht jede Sorge bedeutet, dass eine schwere Verschlechterung vorliegt. Aber Ihre Beobachtung sollte ernst genommen werden. Besonders dann, wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind anders wirkt als sonst.

Das Klinikteam sollte Ihnen erklären, wie es die Situation einschätzt, worauf weiter geachtet wird und was passiert, wenn sich der Zustand verändert. Wenn nötig, sollte Ihr Kind erneut klinisch beurteilt oder eine Ärztin beziehungsweise ein Arzt hinzugezogen werden.

Wenn Ihre Sorge bleibt:bitte noch einmal nachfragen

Manchmal bleibt ein ungutes Gefühl, obwohl schon jemand nach dem Kind geschaut hat. Dann dürfen Sie erneut nachfragen.

Bitten Sie darum, dass Ihr Kind noch einmal ärztlich eingeschätzt wird. Sie können auch fragen, ob eine erfahrene Ärztin, ein erfahrener Arzt oder die diensthabende ärztliche Leitung hinzugezogen werden kann.

Zum Beispiel:

  • „Ich mache mir weiterhin Sorgen.“
  • „Bitte schauen Sie mein Kind noch einmal ärztlich an.“
  • „Kann bitte eine erfahrene Ärztin oder ein erfahrener Arzt dazukommen?“
Über Line

Die zweijährige Line war ein fröhliches Kind. Sie erkrankte im April 2024 und wurde von ihren Eltern ins Krankenhaus gebracht. Dort verschlechterte sich der Zustand des kleinen Mädchens. Ihre Mutter hatte mehrfach auf Veränderungen hingewiesen. Line verstarb im Krankenhaus. 

Dieser tragische Vorfall ist Anlass für das Projekt “Lines Vermächtnis” Gemeinsam mit Lines Mutter entwickelte die DGPS ein Konzept, den  Elternwarnsignal-Dialog, um elterliche Beobachtungen systematisch in klinische Entscheidungsprozesse zu integrieren.

Eltern kennen ihr Kind am besten. Lines Schicksal zeigt eindringlich, wie wichtig es ist, die Beobachtungen von Eltern ernst zu nehmen. Wenn sie den Eindruck haben, dass etwas nicht stimmt, kann das ein entscheidender Hinweis für die klinische Einschätzung sein. Ihre Stimme kann Leben retten.”

— Michelle Bayona, Mutter von Line und Schirmherrin von “Lines Vermächtnis”

Weiterführende Informationen und Materialien

DAK: Elterncoaching – gemeinsam für mehr Patientensicherheit
Dr. med. Viola Sinirlioglu (Patientensicherheitsbeauftragte der DAK) im Gespräch mit Hardy Müller (Generalsekretär der DGPS) über die Bedeutung elterlicher Warnsignale für die Patientensicherheit.

NDR: Mahnwache für Line – Eltern fordern mehr Patientensicherheit
Der Beitrag berichtet über eine Mahnwache anlässlich des ersten Todestags der kleinen Line in Hamburg und die Forderung nach strukturellen Verbesserungen für mehr Patientensicherheit.

VDEK: Tipps für Versicherte: Sichere Gesundheitsversorgung von Kindern
Ein Informationsblatt mit Hinweisen für Eltern zur Kommunikation mit dem Behandlungsteam und zum Umgang mit Unsicherheiten im Klinikalltag.

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